Montag, 29. Februar 2016

Tag 16

Um halb 8 wache ich eingekuschelt zwischen Marie und Sonja auf und realisiere das erste mal, dass ich hier auf Reisen bin. Denn durch den Schul- und Arbeitsalltag ist mein Leben hier so geregelt, dass ich bisher gar nicht wirklich dieses freie Reisegefühl habe. Aber es ist Montag Morgen halb 8 und ich liege noch im Bett. Dazu kommt, dass ich auch noch zwischen so zwei super Verrückten liege, deren Reisefieber sicherlich ein bisschen abfärbt. 

Von den 19 Stunden sind nun mittlerweile schon ein paar vergangen und wir machen uns auf den Weg zu den hübschen Cafés in, wer hätte es gedacht, Usaquén zum Frühstücken. Wir schlendern erst mal durch die Straßen und mit Sonja und Marie kann ich diesmal so richtig ausrasten wie süß und hübsch alles aussieht. Mit Rafael, mit dem ich letzten Sonntag auf dem Markt hier war, musste ich mich was das anging leicht zurückhalten.

Nach unserem Frühstück können wir natürlich an dem hübschen Läden mit den Teelichtern, Teekannen, Tassen und Tischdecken nicht einfach so vorbeilaufen. Aber die Zeit rennt und so setze ich die beiden dann nach einem kurzen Halt bei mir zu Hause ins Taxi zum Flughafen.











Ich starte in die andere Richtung zur Praxis und komme mit nur 10 Minuten Verspätung zur ersten Therapie und auf dem Heimweg entdecke ich endlich die perfekte Busroute für den Heimweg. Wäre da nur nicht immer dieser Verkehr. Und als ich zu Hause ankomme ist das freie Reisegefühl auch schon wieder verflogen.

Sonntag, 28. Februar 2016

Tag 15

Als erstes steht ausruhen auf dem Programm und dabei komme ich auch endlich dazu mein spanisch-sprachiges Netflix auszunutzen, worauf ich mich so unglaublich gefreut habe.
Ich sitze also in meinem Bettchen, suchte ein bisschen Serien und höre Airbnb-Santiago am Schreibtisch fluchen. Der Gute ist mitten in der Klausurenphase und ich bin insgeheim ein bisschen froh, dass das Thema bei mir durch ist.

Gegen Mittag mache ich mich dann doch noch mal auf den Weg zum Markt in Usaquén, um deutsches Brot zu kaufen. Ich mache noch einen Halt beim größeren Supermarkt 2 Straßen weiter und kaufe Sonjas Lieblings-Frischkäse und noch die ein oder andere Kleinigkeit.
Und als ich die Ankunftszeiten vom Flughafen in Bogota checke, stelle ich fest, dass der Flug von Havana einfach eine halbe Stunde zu früh kommt. Ich eile zum Bus und eine lange gequetschte Busfahrt später umarme ich Lars Schwester Sonja nach 7 1/2 Monaten. Die Menschen um uns herum erleben einen dieser klassischen Flughafenmoment voller Aufregung und Freude.

Sonja reist nach ihrem Auslandssemester in Chile nun mit ihrer Reisefreundin Marie ein bisschen durch Süd- und Mittelamerika und die beiden haben genau 19 Stunden und 46 Minuten bei mir in Bogotá, bevor es nach Brasilien weitergeht.

Wir fahren zu mir hoch in den Norden und der arme Taxifahrer muss ziemlich viel Deutschgequasel ertragen. Das hört auch bei unserem typisch deutschen Abendessen mit Brot, Frischkäse und Salat nicht auf. Irgendwann fallen uns 3 in meinem 1,40m Bett aber doch die Augen zu.

2 Wochen

Normalerweise stehe ich um 5 morgens auf. Heute komme ich da erst Heim. Deshalb gibt es Blogeintrag auch erst jetzt.

Der Tag beginnt für mich jedoch um 7. Immerhin 2 Stunden später als sonst. Ich räume ein bisschen mein Zimmer auf und beziehe mein Bett frisch. Und auch das Bettbeziehen von kolumbianische Betten ist genau wie ecuadorianische Betten medio complicado. Denn unter der Tagesdecken liegen mehrere Fleecedecken plus ein dünnes Laken und das alles will dann gekonnt am Fußende unter die Matratze gesteckt werden.
Während ich mich also als super Hausfrau übe, wird es draußen immer wärmer. Bei Sonnenschein und 24 Grad mache ich draußen eine kleine Tour zum nächsten größeren Supermarkt und komme nach 2 Wochen das erste mal dazu mein Buch aufzuschlagen.

Und hätte ich um 8 eigentlich schon wieder langsam ans Traumland denken können, stehe ich vor meinen Kleiderschrank und suche mein Partyoutfit aus. Denn heute geht es in die Zona Rosa tanzen. Ich treffe José, den ich letzte Woche beim Sprachaustausch kennengelernt habe, auf einem riesigen Platz wo es nur so von Jugendlichen wimmelt. Es gibt wenige Mädels, die ihre hohen Schuhe im Schrank gelassen haben. Wir schlendern durch die mit Bars und Clubs gesäumten Straßen, immer wieder sind Musikfetzen aus geöffneten Türen zu hören und ich kann mich gar nicht entscheiden wo ich zu erst rein möchte. Später treffen wir noch ein paar Amigos von José und gehen in einen Club, der erst für Personen ab 23 ist. Glück gehabt, noch rechtzeitig Geburtstag gehabt. :)
Bis um halb 5 tanze ich also von typisch deutscher Clubmusik bis Bachata, Salsa, Merengue und anderen Tänzen, die ich zuvor noch nie gehört habe.

Freitag, 26. Februar 2016

Tag 13

Ein Tag an dem ich auf noch mehr nette Bogotaner treffe, der Heimweg im Hellen gar nicht mehr zu furchteinflössend erscheint wie gestern und es nicht regnet, da ich einen Regenschirm dabei habe.

Als heute morgen um 5:12 Uhr mein Wecker klingelt, bin ich doch ein bisschen froh, dass Freitag ist. Auch wenn früh aufstehen für mich nicht so schlimm ist wie für manche andere Personen aus meiner Familie, gehören Aufstehzeiten, die mit einer 5 beginnen, nicht zu meinen Favoriten. Im Schulbus hält mich ein kleines Whatsapp-Telefonat mit Lars wach, denn sonst wäre ich sicherlich direkt beim Einsteigen eingeschlafen und wohl nie mehr aufgewacht. Mariale nimmt mich nach der Schule mit dem Auto mit in ihre Praxis und wir kommen super entspannt und pünktlich an. Fahren wir mit dem Bus dauert der ganze Spaß schon ein bisschen länger. Denn jedes Kind wird an seiner Abholecke abgesetzt und da in der Route zur Praxis viele Kindergartenkinder mitfahren, die nicht einfach auf der Straße abgesetzt werden dürfen, kann es dauern. Denn der Bus muss warten bis die Eltern bzw. meistens das Kindermädchen an der Ecke steht und das Kind „entgegennimmt“. An sich klappt das meistens prima, doch manchmal steht man dann eben doch ein bisschen in der Gegend herum und wartet. Und so kamen wir die Woche eigentlich meistens direkt mit unserem Patienten in den Praxisraum und das ist irgendwie nicht wirklich ein guter Therapiestart.

Um 17 Uhr ist es draußen noch hell und wir haben die letzte Therapie abgeschlossen. Mein Handy hat noch genug Akku und ich finde bei GoogleMaps den perfekten Bus für den Heimweg. Meine Buskarte, die ich bisher nur für den Transmilenio Bus benutzt habe, brauche ich auch für den perfekten Heimweg-Bus. Leider sagt mir jedoch der Sensor am Drehkreuz im Businneren: „Kein Guthaben.“ Irgendwie bin ich wohl doch mehr Bus gefahren als gedacht. Ich schaue ein bisschen bedröppelt und möchte gerade aussteigen, da hält ein junger Typ seine Karte vor den Sensor und schenkt mir meine Busfahrt. Also quetsche ich mich in den bereits vollen Bus und bin mir sicher, dass sich jeder meiner deutschen Freunde bis vielleicht auf Cate und Kerstin den Kopf gestoßen hätte. Denn sogar ich kann mich sehr entspannt an den Busstangen festhalten, die von der Decke hängen und strecke ich meinen Arm nach oben, kann ich die Busdecke berühren. Total verrückt. Und während ich da so stehe fragt mich die vor mir sitzende Frau, ob meine Tasche denn schwer sei und sie sie auf den Schoß nehmen solle. Auch wenn ich dankend ablehne, freue ich mich über solche Kleinigkeiten so richtig.

Als ich zu Hause ankomme, dämmert es für 10 Minuten und in der Zeit ziehe ich mir mein Zumba-Outfit an und versuche um halb 7 meine Arme, Beine, Füße und meinen Po genau so zu bewegen wie die schwangere tanzende Vorturnerin. Ziemlich fraglich, ob mir das trotzt meiner Bemühungen so gelingt.

Donnerstag, 25. Februar 2016

Tag 12

Bogotás Wetter ist zurück. Waren die Bewohner in den letzten Wochen ganz verwundert wie sonnig es jeden Tag ist, ist es nun besser immer einen Regenschirm dabei zu haben. Versuche ich mir ab morgen anzugewöhnen. Die letzten Tage wurde ich nämlich doch ab und an ein bisschen nass. Krempel ich in der 2. Pause noch meine Hose hoch und sitze im T-Shirt auf der Wiese, scheint 2 Stunden später die Welt unterzugehen.

In der 4. Stunde singe ich heute noch mal die Vogelhochzeit und schaue am Nachmittag bei der anderen Logopädin zu, die vor allem Myopatienten und Schluckstörungen bei Kindern behandelt. So sitzt also ein kleiner Junge in der Therapie vor 4 kleinen Stücken Papaya und fängt bitterlich an zu weinen, weil für ihn Essen alles andere als ein Genuss ist. Nicht sonderlich verwunderlich, wenn man sich bei fast jeder Gabel verschluckt.

Zu meinem Lieblings-Cochlea-Implantat-Patienten bin ich aber wieder rechtzeitig bei Mariale und um viertel nach 6 verlasse ich die Praxis. In der Bäckerei nebenan werde ich endlich mein ganzes Kleingeld los, was man glaube ich gar nicht wirklich umrechnen kann, weil es so klein ist. Und dann beginnt der Teil des Tages, der hätte anders verlaufen können. Ich möchte mir gerade ein Uber bestellen, da geht leider mein Handy aus. Da mir jeder hier sagt: "nimm bloß kein Taxi auf der Straße“, laufe ich erst mal los. Sollte man zwar wohl angeblich auch nicht machen, aber da der Bus den ich hätte nehmen können gerade weggefahren ist, laufe ich lieber erst mal ein Stück. Leider verlaufe ich mich ein bisschen bzw. komme irgendwie nicht dort raus wo ich eigentlich dachte, dass ich rauskomme. An sich kann man sich in Bogotá jedoch nicht verlaufen, denn alle Straßen die waagrecht verlaufen heißen Calle und sind von Süd nach Nord durchnummeriert. Alle Straßen die senkrecht verlaufen heißen Carrera und sind von Ost nach West durchnummeriert. Trotzdem stehe ich plötzlich vor einer riesigen Autobrücke und auf den Straßen sind plötzlich immer weniger Leute. So ganz wohl fühle ich mich eindeutig nicht. Ich schaue mich also um und entdecke ein Krankenhaus mit ein paar wartenden Menschen davor. Ich gehe zu der Person, die mir am sympathischsten erscheint, erkläre meine Situation und frage, ob er mir ein Taxi rufen kann. Leider ist hora pico, also Hauptberufsverkehr und es gibt keine freien Taxis. Wir warten also, aber es bringt nichts. Irgendwann bietet der junge Mann, der ein bisschen älter als ich ist, mir an, dass er und sein Vater mich nach Hause bringen. Ich versuche die Situation einzuschätzen und überlege kurz, aber ich möchte eindeutig nicht alleine an der Straßenecke bleiben und einfach nur Heim. Also quetsche ich mich zu den beiden ins Auto, welches nur 2 Sitze hat, nehme einen riesigen Karton mit frischen Eiern auf den Schoß und die beiden bringen mich sicher nach Hause. Auf der Fahrt erzählen sie mir von ihrem deutschen Nachbarn Rainer und ich muss schmunzeln. Außerdem, dass die Schwester von dem Jungen ungefähr mein Alter hat und sie sie niemals alleine um die Uhrzeit draußen rumlaufen lassen würden, also sei es doch selbstverständlich, dass sie mich sicher Heim bringen. Ich weiß nicht so recht wie ich mich bedanken soll und bin froh, als ich um viertel vor 8 endlich zu Hause bin.

Und so gut auch alles ausgegangen ist, brauche ich solch eine Situation nicht unbedingt noch mal. Aber sowas gehört wohl dazu: zum Welt erkunden.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Tag 11

Der Tag an dem es im Supermarkt Sprudelwasser in 1,5 Liter Flaschen gibt und eine Stunde für 6,1km sehr optimistisch kalkuliert war.

Bis auf 2 Gruppen haben Mariale, wie María Alejandra so schön abgekürzt wird, und ich nun alle Gruppen beobachtet. Die ein oder andere Auffälligkeit gibt es bei den Kindern doch, sodass wir ab nächster Woche bei den Einzeldiagnostiken doch einiges zu tun haben werden.

Da heute Mittwoch ist, steht auf meinem Freizeit-Stundenplan Zumba.
Ich denke, wenn ich um kurz vor 4 aus der Praxis gehe, dann sollte ich um 5 locker im Sportoutfit vor dem großen Spiegel in der Tanzschule stehen. GoogleMaps sagt mir mit dem Bus dauern die 6,1 km inklusive Laufen 33 Minuten. Ich hätte wohl das graugeschriebene ohne Verkehr beachten sollen. Doch der Ausdruck ohne Verkehr existiert in Bogotá nicht und so stehe ich um 20 nach 5 ziemlich abgehetzt vor dem Spiegel. Neues Kriterium für meinen späteren Wohnort: S- und U-Bahnen.

Auf dem Rückweg mache ich noch Halt beim Supermarkt, der auf dem Weg liegt. Um 6:07 betrete ich den Supermarkt. Draußen ist es noch hell. Ich schlendere durch die Reihen, überlege was ich morgen zu Essen mitnehmen möchte (wen wundert’s: es gibt noch mal Couscous-Salat) und was ich sonst noch so gebrauchen könnte. Am Wasserregal freue ich mich über die 1,5 Sprudelwasserflaschen, denn mittlerweile hat sich ein kleines Plastikflaschen-Arsenal mit 600 ml Flaschen bei mir zu Hause angesammelt. Gäbe es Pfand wäre ich reich. Um 6:22 verlasse ich den Supermarkt und es ist stockfinster. Nichts mit schöner Abendröte oder so. Sonne ist einfach weg. Wie Licht aus. Morgen früh um kurz nach 6 geht es wieder an. Genauso abrupt.


Liebste Oma, gestern sind die Geburtstags-Glückwünsche im Blog leider ein bisschen untergegangen, aber jetzt wo ich weiß, dass du fleißig meinen Blog liest:
Alles Liebe und Gute zum Geburtstag, wenn auch ein bisschen verspätet!
Eine Geburtstags-Umarmung aus Bogotá und bis bald!

Dienstag, 23. Februar 2016

Tag 10

Um kurz nach 19 Uhr komme ich nach Hause, unterhalte mich ein bisschen mit der Airbnb-Mama über meinen Tag und mache nebenbei Couscous-Salat für morgen zum Mitnehmen. Mein deutsches Leben hat mich wohl eingeholt.

Am Ende des Monats kenne ich hier glaube ich den ein oder anderen Uber-Taxi-Fahrer. Der heute hatte leider trotz Navi nicht so ganz die Ahnung vom schnellsten Weg nach Hause, aber da es um kurz nach 6 nach der letzten Therapie schon wieder dunkel wurde, war das eindeutig das sicherere Heimkommen.

Neben weiteren Beobachtungen und Besprechungen habe ich in der Schule heute die 3. Stunde mit den Mäusegruppe-Kindern verbracht, die mir voller stolz ihr selbst gebautes Puppen-Theater gezeigt haben. Zuschauen durfte ich allerdings erst nachdem für mich noch eine Eintrittskarte angefertigt wurde.

Teatro
Praxisraum
Nach der Schule ging es, genau wie gestern, direkt weiter in die Praxis. Eine Therapie nach der anderen und die letzte gehöre mir alleine. Zu manchen Zeitpunkten waren plötzlich auch mal 3 Therapiekinder im Raum. 





Neben den CI-Patienten habe ich heute noch die Syndrom-Patienten kennengelernt und manche habe ich scheinbar so eingeschüchtert, dass sie die kompletten 60 Minuten keinen Ton gesagt haben. 

Die 60 Minuten waren glaube ich die längsten meines Lebens. Ich habe sie genutzt, um eine To-Do-Liste für heute Abend zu erstellen. Punkt 1 - Ecuador-Flüge buchen- ist abgehakt.

Vom 3.03. - 07.03. werde ich wieder zur Ecuador-Sarita. Meine Gastmama hat schon gefragt was ich mir zu Essen wünsche.