Mittwoch, 15. Mai 2019

Tag 57 - Schnüreladen und día del maestro

Heute ist Día del Maestro - der Tag der Lehrer. Normalerweise haben an diesem Tag alle Lehrer frei. Für Praktikanten scheint das jedoch irgendwie nicht zu zählen. Meine Joggingstrecke läuft sonst über den Unicampus, aber sogar der gesamte Campus ist heute geschlossen. Keine Schule, keine Uni. Nur das Centro Aleman hat geöffnet. Immerhin bekomme ich von meinen Schülern unzählige Glückwünsche und Nachrichten. Vielleicht bringe ich diese Tradition mit nach Deutschland. Da am Wochenende mal wieder ein Kulturfest ansteht und wir diesmal im Dirndl dort arbeiten werden, machen Helen, Tabea und ich in unserer Freistunde einen Ausflug zum "Schnüreladen". Auf unerklärliche Weise sind die Schnüre aus den Dirndln verschwunden, also brauchen wir neue. Unsere Chefin beschreibt uns mal wieder typisch mexikanisch den Weg zum präferierten Laden und wir werden tatsächlich fündig. Jede von uns drei hat also nun ein halbwegs passendes und sitzendes Dirndl und wir sind beriet am Freitag, Samstag und Sonntag Bier und Jägermeister am Deutschlandstand anzupreisen. 


Sonnenaufgang im Centro. Alternative Joggingstrecke.
Farbabgleich beim Schnürekauf.

Dienstag, 14. Mai 2019

Tag 56 - Abschied

Eventuell habe ich es bei meiner USA-Süßigkeitenbestellung etwas übertrieben, denn Lars Koffer wiegt am Ende 3,5 Kilo weniger. Könnte an dem Stapel Reeses und M&Ms liegen, der nun in meinem Kühlschrank liegt. Aber mexikanische Süßigkeiten sind entweder mit Chilli und deshalb ziemlich scharf, ziemlich süß oder eben ziemlich teuer, wenn sie eigentlich aus Europa kommen. Lars und ich frühstücken zusammen auf dem Balkon und das nächste gemeinsame Frühstück gibt es dann wieder vereint zu Hause. Am Nachmittag setze ich Lars am Busterminal ab und da kommt dann doch das ein oder andere Tränchen. Abschiede sind eben immer traurig. Im Uber auf dem Rückweg zähle ich die Tage bis ich nach Hause fliege (es sind übrigens 50 Tage) und bis zu meinem Einzelschüler sind alle Tränchen wieder getrocknet.


Montag, 13. Mai 2019

Tag 55 - Teotihuacán


Langsam hebt der Korb vom Boden ab und es ist kaum zu spüren, dass wir plötzlich schweben oder eher fahren wie man beim Heißluftballon sagt. Wäre da nicht das zischen des Brenners, würde man gar nichts hören. Neben uns starten zehn weitere Ballons in die aufgehende Sonne. Eine Heißluftballonfahrt über die Pyramiden von Teotihuacán bei Sonnenaufgang - ich glaube romantischer und beeindruckender geht es nicht. Dafür lohnt es sich auch um 4:30 Uhr aufzustehen.

Unser Fahrer lässt keine Chance aus, uns alles zu zeigen und so fahren wir eine Stunde direkt über die Spitzen der Pyramiden und das Umland. Die Stadt unter uns erwacht langsam zum Leben. Wir sehen Kaktusplantagen, bunte Kirchen und das riesige Pyramidengelände.

Nach der Landung lassen wir uns einen Besuch auf den Pyramiden natürlich nicht entgehen und erklimmen die steilen Stufen der Sonnen- und der Mondpyramide. Wir frühstücken auf der Spitze der Sonnenpyramiden und um uns herum findet gerade eine Art spirituelle Zeremonie statt. Und während ich da so sitze, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich um 19 Uhr heute Abend schon wieder Unterricht in Queretaro halten soll. Um 19 Uhr realisiere ich es, als ich sage: "so wir schlagen Kursbuchseite 154 auf". Für Lars letzten Mexiko-Abend gibt es noch selbst gemachten Sangria mit meiner WG auf unserer Dachterrasse und irgendwie ist die Zeit ganz schön verflogen.











Sonntag, 12. Mai 2019

Tag 54 - CDMX II


Sportlicher Sonntag. Jeden Sonntag werden in Mexiko-Stadt die großen Straßen für Fahrradfahrer, Jogger, Skater und Spaziergänger gesperrt. Lars und ich mieten uns gratis Fahrräder und mischen uns unter die sportlichen Mexikaner. 3 Stunden fahren wir an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei, beobachten einen Umzug verschiedener Nationen und müssen zwischenzeitlich unsere Räder durch dichte Menschenmengen schieben. Mittags schleppe ich Lars auf einen Artesanal Markt und er betitelt das ausgestellte Kunsthandwerk schlichtweg als bunten Krams, den niemand braucht. Bei Churros mit Kakao steigt die Laune aber schnell wieder. Abends gehen wir zu meinem Lieblingskreisel mit unzähligen schönen Bars und Restaurants, essen Pizza und hören der Livemusik von Straßenmusikern zu. So sehr ich Mexiko-Stadt auch liebe, leben würde ich hier nicht wollen.







Samstag, 11. Mai 2019

Tag 53 - CDMX I


Um 12 Uhr klappe ich das A1 Kursbuch zu, verabschiede meinen Kurs ins wohlverdiente Wochenende und sitze um halb 2 mit Lars im Bus Richtung Mexiko-Stadt -  auch bekannt unter DF oder CDMX. Der Bus schiebt sich durch den dichten Stadtverkehr und wir steigen am Terminal de Autobusses in die Metro um. Lars stößt sich in der Unterführung fast den Kopf, denn hier ist alles eher auf kleinere Menschen ausgerichtet.
Wir checken in unser Apartment ein, machen uns ein bisschen schick und sitzen pünktlich zum Sonnenuntergang im Restaurant im höchsten Turm Mittel- und Südamerikas. Der Ausblick ist wunderschön. Man kann nur erahnen wie weit sich die riesige Stadt noch ausbreitet. Die Sonne geht langsam im Dunst der Stadt unter und der Himmel färbt sich wunderschön rot. Anschließend schlendern wir durch die Stadt und das angesagte Barviertel Roma. Mexikaner und Gringos vermischen sich zu einem bunten Publikum, die Musik aus den Bars vermischt sich zu einer großen Musikwolke und zwischen unzähligen fancy Restaurants und Bars findet man einen der klassischen überfüllten Tacoläden mit Neonlicht und Plastikstühlen.



Bellas Artes in CDMX


Freitag, 10. Mai 2019

7 Wochen - Sierra Gorda



Freitag ist Ausflugstag. Schließlich soll Lars auch ein bisschen die Gegend kennenlernen. Die Sierra Gorda, übersetzte dickes Gebirge, ist ein Gebirge im Bundesstaat Querétaro und liegt circa 2,5 Autostunden entfernt. Wir laden eine riesige Kühlbox mit Couscous Salat, belegten Brötchen, Getränken, Keksen, Melone usw. in unseren Mietwagen ein, starten Spotify und los geht der WG-Ausflug plus Lars. Nach zahlreichen Kurven, langsamen LKWs, die sich die Berge hoch quälen und ziemlich vielen Kühen und Schafen am Straßenrand, biegen wir auf eine sehr löchrige und ruckelige Straße ein. Nach 25 Minuten sind wir allesamt gut durchgeschüttelt, unser Auto zum Glück noch heile und wir erreichen einen Aussichtspunkt. Außer uns ist hier niemand. Wir parken und wandern den letzten Rest bis auf die Bergspitze. Am Weg stehen unglaublich viele blühende Kakteen und alte Bäume. Im Schatten der Bäume liegt einfach ein grunzendes Schwein herum und ab und an begleitet uns ein Straßenhund auf unserem Weg an die Spitze. Am Ende des Weges hängen einige Schaukeln an Bäumen und man hat einen unglaublichen Blick über das Tal und auf den nächsten großen Berg. Mexiko, du überraschst mich wirklich immer wieder. 

Nach einem ausgiebigen Picknick starten wir zu unserem zweiten Ausflugsziel: ein Wasserfall. Leider ist dieser jedoch aufgrund von Waldbrandgefahr geschlossen wie wir kurz vorm Ziel feststellen müssen. Sehr schade. Wir finden jedoch noch einen kleinen Fluss mit kristallklarem Wasser und halten wenigstens unsere Füße rein. Wir sind die einzigen Touristen und viele Einheimische baden hier im nicht allzu tiefen Wasser. Überall stehen Schilder, dass man hier nur nur baden sollte, wenn man schwimmen kann. Ähnlich wie in Ecuador, können auch hier nur wenige Menschen richtig schwimmen. Deshalb muss man fast überall Schwimmwesten anziehen, sogar zum Tretbootfahren auf einem Tümpel in Mexiko-Stadt.

Auf dem Rückweg schlängelt sich unser Auto erneut durch die bewachsenen, samtig aussehenden Berge und langsam geht die Sonne unter. Die gesamte Sierra färbt sich in warmes, goldenes Licht. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Ich glaube es braucht demnächst noch einen Ausflugstag, denn die Sierra Gorda hat noch einiges zu bieten.






Donnerstag, 9. Mai 2019

Tag 51 - Dachterrassenidylle



In der Regel dauert mein Arbeitsweg weniger als eine Minute. Haustür auf, über die Straße und rein in die Sprachschule. Der Vorteil es geht schnell, der Nachteil es gibt kein Pain au Chocolat auf dem Weg. Heute Morgen dauert mein Arbeitsweg ein bisschen länger, denn Lars und ich wohnen in einem schönen alten Boutique Hotel im Centro. Der Nachteil: Mein Arbeitsweg dauert nun 12 Minuten zu Fuß, aber auf dem Weg liegt eine der besten Bäckereien Querétaros. Ich gönne mir ein frisches und noch warmes Pain au Chocolat und wünschte mein Arbeitsweg würde jeden Morgen hier vorbeiführen.

Nach meinem Unterricht um halb 12 treffen Lars und ich uns für eine Centro-Tour. Lars zeigt zwar bei den ganzen bunten Wänden und Häusern weniger Begeisterung als ich, aber ihm gefällt es trotzdem ziemlich gut. Wir schlendern durch die Straßen, schauen uns bei einer Limonade das bunte Treiben auf den Plätzen an und laufen bis zum Aquädukt von Querétaro. Hier kommt dann ein Programmpunkt, der absolut nicht auf meiner Touri-Liste stand: Wir kehren in Queretaros Irish Pub ein, Lars fragt die Kellner, ob man das Sportprogramm ändern könne und schon sitze ich bei Sonnenschein in einem Pub und schaue Eintracht Frankfurt gegen Chelsea. Ich hatte mir unseren Nachmittag ja ein bisschen anders vorgestellt, aber Lars ist glücklich. Nach meinem Abendkurs entdecken wir eine schöne Dachterrasse mit Lichterketten über den Dächern Querétaros und ich genieße es mal wieder Tourist zu sein.




nichts für große Menschen hier.