Um Punkt 20:30 Uhr beende ich meinen letzten Unterricht für heute, lasse all meine Sachen im Unterrichtsraum liegen und lunse um die Ecke unserer Rezeption. Auf den Wartebänken sitzt Lars und nickt mir zu. Unsere Sekretärin Alondra hatte ich schon vorgewarnt, dass irgendwann gegen 20:15 Uhr ein großer blonder „Gringo“ klingelt, der kein Wort Spanisch spricht und der hier auf mich warten wird. Als Alondra unser Wiedersehen beobachtet, muss sie ein bisschen lachen, denn sonst bin ich immer die letzte von den Praktikanten, die abends aus der Sprachschule geht. Aber heute bin ich die erste. Wir essen noch mit meiner WG auf dem Balkon und bei Kerzen- und Lichterkettenschein gibt es Kartoffeln, Nopales, Guacamole und Tacos. Lars erstes richtiges Mexikoessen.
Ein Jahr Ecuador. Ein Jahr weltwärts. Ein Jahr aus meiner Sicht. Ein Jahr in Blogeinträgen.
Mittwoch, 8. Mai 2019
Dienstag, 7. Mai 2019
Tag 49 - Vorbereitungen
Mein Tag beginnt mit Unterrichtsvorbereitungen, denn ab Mittwoch wird jede freie Minute mit meinem Besuch verbracht und nicht mit Unterrichtsvorbereitung verschwendet. Zwischen meinem Unterricht kaufe ich in meinem Lieblingsgemüseladen ein und würde ihn am liebsten einpacken und mit nach Deutschland nehmen. Ich zahle für eine ganze Tasche voll mit Kartoffeln (wer weiß, wer zu Besuch kommt, weiß warum ich Kartoffeln kaufe), Paprika, Bananen, Mango, Avocado, Chayote, Nopales, Möhren, Tomaten und Eiern gerade mal 5 Euro, es ist alles frisch und ganz ohne Plastikverpackung.
Montag, 6. Mai 2019
Tag 48 - Wasser
Unser Haus hat 3 riesige Wassertanks und 2 Pumpen, die das Wasser zwischen den Tanks hin und her bewegen. In jedem Tank befindet sich ein Plastikschwimmer wie bei einer Klospülung. Sinkt das Wasser unter einen bestimmten Pegel, läuft automatisch Wasser aus der Hauptwasserleitung in den Haupttank nach. Soweit der Plan. Leider befindet sich am Montag Morgen nur noch eine braune Pfütze in unserem Haupttank auf der Terrasse und der Tank auf dem Dach ist komplett leer. Jeglicher Versuch das Wasser aus Tank 3 zu benutzen scheitert. Also plätschern aus unseren Wasserhähnen nur ein paar einsame Tropfen. Kein Spülen, kein Duschen, kleine Klospülung. Unsere Chefin ruft den Klempner und der kommt für Mexikoverhältnisse ziemlich zügig. Er schraubt und flucht ein bisschen und erklärt uns, dass diese Konstruktion eigentlich überhaupt nicht funktionieren kann. Irgendwie schafft er es trotzdem, dass sich der Haupttank durch den Anschluss an die Wasserleitung wieder füllt. Mit der Pumpe wird das Wasser aus dem Haupttank in den Tank auf dem Dach gepumpt und zum Überlaufen gebracht. Erst dann wisse man sicher, dass er auch voll sei. Verstehe einer diese Logik. Vor unserem Küchenfenster schwappt also eine Flut Wasser vom Dach und wir wissen, dass wir also nun wieder ausreichend Wasser haben.
Sonntag, 5. Mai 2019
Tag 47 - Tabularasa
Tabularasa im WG-Haus. Habe ich bereits bei meinem Einzug hier vor einigen Wochen schon mal ein wenig die Überbleibsel von unzähligen vorherigen Praktikanten beseitigt, haben Helen, Tabea und ich unserem Haus heute einen komplett neuen Wohlfühlcharakter verpasst. Trotz Putzfrau gab es doch die ein oder andere Ecke, die länger keinen Lappen gesehen hat und jeder Praktikant hat hier eben doch seine Spuren hinterlassen. Gegen die Kakerlaken in unserer Küche können wir leider nicht wirklich etwas machen, aber zumindest ist nun alles sauber und ordentlich.
Am Mittag ist mal wieder Standdienst auf dem Festival angesagt und irgendwann komme ich mir vor wie eine CD mit einem Sprung. Ich rattere alle paar Minuten den gleichen Text runter und verweise nett lächelnd auf unseren e-Mail-Verteiler. Die Menschenmenge an unserem Stand wird irgendwie nicht weniger und ich bin froh gegen halb 6 nach Hause zu fahren. Leider funktioniert dort erstmal unser Wasser nicht mehr. Die Pumpe für unseren Wassertank ist ausgefallen. Doch zum Glück schaffen Helen und Tabea sie wieder anzuschalten. So langsam füllt sich der Tank wieder und wir können wieder den Wasserhahn, die Dusche und die Toilette benutzen. Und während die Pumpe lautstark Wasser pumpt, gehe ich ins Traumland, denn morgen beginnt wieder eine ganz normale Arbeitswoche. Aber ganz so normal wird sie gar nicht. Ab Mittwoch bekomme ich Besuch.
Am Mittag ist mal wieder Standdienst auf dem Festival angesagt und irgendwann komme ich mir vor wie eine CD mit einem Sprung. Ich rattere alle paar Minuten den gleichen Text runter und verweise nett lächelnd auf unseren e-Mail-Verteiler. Die Menschenmenge an unserem Stand wird irgendwie nicht weniger und ich bin froh gegen halb 6 nach Hause zu fahren. Leider funktioniert dort erstmal unser Wasser nicht mehr. Die Pumpe für unseren Wassertank ist ausgefallen. Doch zum Glück schaffen Helen und Tabea sie wieder anzuschalten. So langsam füllt sich der Tank wieder und wir können wieder den Wasserhahn, die Dusche und die Toilette benutzen. Und während die Pumpe lautstark Wasser pumpt, gehe ich ins Traumland, denn morgen beginnt wieder eine ganz normale Arbeitswoche. Aber ganz so normal wird sie gar nicht. Ab Mittwoch bekomme ich Besuch.
Samstag, 4. Mai 2019
Tag 46 - Kaktusliebe
Mein Samstagskurs beginnt mit einem Artikelspiel, denn das ewige Artikelraten bin ich langsam wirklich leid. Ab jetzt werden jede Stunde in den ersten 10 Minuten die Artikel wiederholt. Hoffentlich hilft das. Aber immerhin hatten meine Teilnehmer Spaß beim Wiederholen. Für Spiele ist man eben doch nie zu alt.
Um 12 Uhr endet mein Kurs und um 12:05 Uhr sind Helen und ich auf dem Weg zum Festival. Wir kommen um Punkt halb 1 mit Schichtbeginn an. Die nächsten 2 1/2 Stunde erzähle ich immer wieder unser Kurs- und Kulturprogramm und renne ab und an dem Fußball hinterher. Zwischendurch gönne ich mir einen Crepe mit Nutella am Frankreichstand und bin im siebten Himmel. Um 15 Uhr endet unsere Schicht und wir fahren komplett erledigt nach Hause. Irgendwann bekommen wir einen Anruf von unserer Chefin, dass das Bier auf dem Festival ausgeht und jemand kommt, um Nachschub zu holen. Mir wird erst dann klar, dass ich eigentlich in einem Hochsicherheitsgefängnis arbeite. Denn der Nachschub steht nicht nur in unserem Haus, sondern auch im Centro Aleman. Zum Glück habe ich letzte Woche einen neuen Schlüssel fürs Centro bekommen (nein, meiner ist tatsächlich nicht mehr aufgetaucht). Ins Centro zu gelangen ist jedoch nicht ganz so einfach. Nach ungelogen 8 verschiedenen Schlössern mit unterschiedlichen Schlüsselbunden und Riegeln und der Entsicherung der Alarmanlage, kommen wir endlich an das Bier ran. Nachdem das Bier verladen ist, geht das ganze Prozedere zum Abschließen von Neuem los.
Gegen frühen Abend beginnt der Mädels-WG-Kochabend. Matthias ist beim Fußball und wir machen es uns gemütlich. Tabea deckt den Tisch mit Kerze und Tischdecke und Helen und ich zaubern ein mexikanisch-ecuadorianisches Essen. Es gibt ecuadorianische Menestra sprich Linsen, Nopales sprich Kaktus und dazu Chayote, Kartoffeln, frittierte Kochbanane und Avocado. Das alles wickeln wir natürlich super mexikanisch in Tacos. Da in den Wochen nach Ostern irgendwelche Virgenes befeiert werden, gibt es in den letzten Wochen Tag und Nacht Feuerwerke. Diesmal ist es jedoch ein besonders großes. Und während die ganze Nacht Raketen in die Luft geschossen werden, fallen wir alle drei noch vor 22 Uhr ins Bett.
| Nopales roh |
| Kaktus - Nopales |
Freitag, 3. Mai 2019
6 Wochen - Chivapchici, deutsches Bier und Bratwurst
Mein Uber fährt am Stadion von Queretaro vorbei und schon aus der Ferne ist Musik zu hören und ein riesiges weißes Zelt zu sehen. Ich trage ein kaum auffälliges Centro Aleman T-Shirt mit Deutschlandflagge und schlupfe dank meines blauen Mitarbeiterbändchens durch den Seiteneingang für Mitarbeiter. Das Fest der Comunidades Extranjeras ist doch größer als gedacht. 2 Bühnen, unzählige Essensstände und Stände mit allerlei Krams aus den unterschiedlichen Ländern. Es gibt von Yucabrot aus Ecuador über Essen aus Aserbaidschan bis hin zu Schottenröcken und Dudelsäcken alles. Die Attraktion an unserem Stand: die Torwand. Außerdem stellen wir unser Kurs- und Kulturprogramm vor und versuchen neue Schüler zu gewinnen. Bin ich bei den ersten Anfragen noch ein bisschen unsicher und überfragt, kann ich am Ende unsere Kurse im Schlaf bewerben. Nach Feierabend um 20 Uhr schlendern Sarah, Matthias, mein Schüler Sergio und ich noch etwas über das Fest. Bei dem riesigen Essensangebot kann ich mich überhaupt nicht entscheiden und bin zu diesem Zeitpunkt froh, dass ich Samstag und Sonntag mich auch noch durch die Stände probieren kann. Sergio vermisst Tacos und wir anderen schütteln nur den Kopf.
Da es Sarahs letzter Abend in Queretaro ist, geht es anschließend noch in eine Bar zum Abschieds-Mezcal trinken. Mezcal ist ein Agavenschnaps. Tequila ist eine besondere Form von Mezcal. In der Bar kostet alles 30 Pesos, es ist ein superverwinkeltes Gebäude mit kleinen Räumen mit Sofas und Tischen und einem grünen Innenhof. Super interessanter Ort. Vielleicht komme ich hier nun häufiger hin.
Mittwoch, 1. Mai 2019
Tag 43 - Ruinen am Feiertag
Der erste Mai ist auch in Mexiko ein Feiertag und muss natürlich für Erkundungen der näheren Umgebung ausgenutzt werden. Um 10 Uhr sitzen Matthias, Helen und ich also im Bus Richtung Tula. Matthias sitzt nur in diesem Bus, weil er sich hier ein Fußballspiel anschauen will. Helen und ich sitzen im Bus wegen der Ruinen, die es in der Stadt wohl gibt. Die Fahrt dauert 2 1/2 Stunden und am Busterminal empfängt uns ein großer deutscher Fußballfreund von Matthias. In seinem Käfer, das Auto ist an die 30 Jahre alt, fahren wir zu den Ruinen. Wir fahren einen kleinen Berg hoch, parken das Auto und befinden uns plötzlich zwischen unzähligen Kakteen. Manche lang und schmal, andere kugelig und stachelig und wieder andere mit Blüten. Der ganze Weg bis zur Ausgrabungsstätte ist gesäumt von Kakteen.
Am Ende des Weges treffen wir auf einen Pyramidenstumpf mit Figuren der Tolteken. Wir besteigen die Pyramide und schlendern ein bisschen über die Anlage, aber irgendwann wird es ziemlich warm und die Jungs brechen auf zu ihrem Fußballspiel.
Helen und ich werden noch im Centro abgesetzt und wir schauen uns Tula an. Auf den ersten Blick finden wir es ziemlich hässlich. Wir sind eben doch sehr verwöhnt von dem wunderschönen Zentrum Queretaros. Aber Tula ist authentisch. Es ist nicht für Touris alles hübsch hergerichtet, sondern die meisten Restaurants haben eben die klassischen Plastikstühle und die Geschäfte bieten allen möglichen Krams an. Vom Fußball über einen Wischmopp bis hin zum Vogelkäfig.
Ein bisschen erinnert mich das Städtchen an Ambato, meine "Heimatstadt" in Ecuador. Endlich finde ich auch die Straßenhändler, die einfach auf dem Bürgersteig sitzen und frische Kräuter oder Obst und Gemüse verkaufen. In Querétaro gibt es diese irgendwie nicht. Zumindest nicht in meinem Viertel. Ich kaufe also auf der Straße ein ganzes Bündel frisches Zitronengras für meinen Tee und ein Kilo frische Erdbeeren für 25 Pesos, sprich knapp 1 Euro. Wir finden tatsächlich noch ein schönes Café, trinken Limonade und genießen unseren freien Tag.
Abonnieren
Posts (Atom)