Donnerstag, 7. März 2013

26 Wochen

Verschlafen, improvisierter Chor und viel zu viel Essen.

Wecker um 6.40 h, schlafen bis 7.21 h und bei Cede um 7.43 h. 13 Minuten zu spät, aber auch Rommel war noch ein bisschen verschlafen.
Chor am Morgen mit denjenigen, die erst am Nachmittag in die Schule müssen und nach ein bisschen Partituren scannen ist es plötzlich halb 1 und fast schon wieder Mittagspause. Zu Hause Stress, weil das Mädchen, welches nun unser Haus in Ordnung halten soll, nicht rechtzeitig das Essen bereitet hat und meine Gastmutter unter Zeitdruck stand. Unangenehme Situation, aber in dem Fall hatte es nichts mit mir zu tun. Also sitze ich da und warte bis sich die Gemüter wieder beruhigt haben, was in meiner Gastfamilie zum Glück schnell geht. In die andere Richtung von alles gut bis plötzlich zum größten Streit allerdings auch. Essensreihenfolge also ein bisschen verkehrt, erst Reis mit Sauce und Hühnchen und im Anschluss die Suppe.
Chor mit Karaoke und Youtube, da die Partitur doch noch nicht ganz singfertig ist. Thats What Friends Are For also begleitet mit bunten Bildern und spanischen Untertiteln.
Am Abend 6-monatiges mit Clara und viel zu viel leckerem Essen feiern. Die Inventur in der Farma lehrreich und der Heimweg von Oma nach Hause sehr lustig. Untergehakt mit Gastmama und Michelle mitten auf der Straße und Bauchschmerzen vor lachen.

Nun gehe ich also mit gedrückten Däumchen ins Bettchen und denke an Markus, Anni und Hoangi während ich ein bisschen träume und sie ihr Englisch-Abi schreiben! :) Ich drücke euch! :)

Mittwoch, 6. März 2013

Tag 181 - 6 Monate

Das wunderbare an 6 Monaten ist, dass wenn ich gefragt werde, wie lange ich denn nun schon hier sei und wie lange ich denn noch bleibe, es die gleiche Antwort ist.
Die Fragen kann ich auf Spanisch nämlich manchmal immer noch nicht ganz auseinanderhalten.
Der Weg zur Arbeit gestern Morgen wie immer gleich. Zumindest bis zum Zebrastreifen kurz vor Cedemusica. Das der Zebrastreifen hier nicht die selbe Bedeutung hat wie zu Hause ist mir schon länger klar; ich weiß nicht für was genau er da ist, aber es gibt ihn.
Clara und ich versuchen dennoch seit geraumer Zeit, die uns bekannten Zebrastreifen-Regeln hier einzuführen. Die Autofahrer, die Anhalten bekommen ein besonders freundliches Lächeln.
Das Szenario gestern: Ich laufe über den Zebrastreifen. Plötzlich biegt eine Fahrschule um die Ecke. Der Fahrlehrer gibt mir wild gestikulierend zu verstehen, dass ich sofort die Straße zu verlassen habe und seinem entgeisterten Blick ist zu entnehmen, dass er sehr verwundert ist, dass ich die Straße überquere. Ich glaube ich hätte mir einiges Mal abwürgen am Zebrastreifen in meinen Fahrstunden erspart, wenn ich hier meinen Führerschein gemacht hätte ;)
Ansonsten ein Mittwoch mit Geigenunterricht, Chiquitos und Einblick in die ecuadorianische Bürokratie. Kauf eines Internetsticks.
Hierfür ecuadorianische Passnummer, die letzte Stromrechnung und ein Bankbeleg. Habe ich leider alles nicht, also wurde alles auf Evitas Namen eingetragen. Dazu kamen dann 12 Unterschriften, ein Fingerabdruck und die Angabe der Adresse mit Anzahl der Stockwerke und Farbe des Hauses, um am Ende einen Internetstick in den Händen zu halten, der erst ab Freitag funktioniert. Hoffen wir's. Dann kann ich alle angestauten Nachrichten und Mails mit Zeit und Muse beantworten, wieder meine Mittagspause zum skypen nutzen und muss nicht die Aussage interpretieren: "Sarita, du darfst das Internet benutzen, aber nicht viel!".
Zum Abendessen ein neuer LIeblingsstand gegenüber der Lieblingsbäckerei mit Maistortillas gebacken auf einer heißen Steinplatte. Endlich eine Form von Brot, die satt macht und nicht schimmernde Fettschicht an den Händen hinterlässt.

Dienstag, 5. März 2013

Tag 180

That's What Friends Are For Note für Note ins Partiturenporgramm eingeben und den restlichen Tag den Ohrwurm nicht mehr losbekommen.
Tatsächlich habe ich mich heute von 8 Uhr bis halb 1 damit beschäftigt das 3 stimmige Lied einzutippen, Akkorde einzufügen und den Liedtext den richtigen Noten zuzuordnen.
Unterbrochen wurde ich zwischendurch allerdings von kleinen Computerproblemchen, ein paar sweeten Facebooknachrichten und der Präsentation der fertigen Dokumentation über Cede. Eine Link gibt es noch nicht, kommt aber noch.
Das Oma-Mittagessen heute mit Linsen-Kartoffel-Nudel-Suppe, liebe Cate. :)
Semesterbeginn nun doch merkbar. War die Anwesenheit gestern noch eher zurückhaltend, erschienen heute alle pünktlich zu ihren Stunden und um 3 zum Chor. Neue Runde That's What Friend Are For, diesmal mit pronunciación üben.
Während um mich rum wilde Geigenklänge zu hören sind, Rommel unterrichtet und Evi beim Radio ist, halte ich im Büro die Stellung und folge der Anweisung niemanden reinzulassen, den ich nicht kenne und nicht zu weinen, weil er, Rommel, nicht da ist ;)
Um zehn vor 6 Berg ab und wieder Berg auf nach Hause, um halb 7 Berg an und wieder Berg auf. Auf meiner Joggingstrecke hat sich in den letzten Wochen nichts verändert, vielleicht ein zwei Schlaglöcher mehr, doch die dampfenden Grills, die Läden mit lautstarker Ecuador-Musik und die streunenden Hunde sind noch die Gleichen.
Beim Abendcafecito erstes Gespräch mit meiner Gastfamilie über meine Arbeit und was ich dort eigentlich so den lieben langen Tag treibe.

Montag, 4. März 2013

Tag 179

Halbzeit. 179 Tage Ecuador, in 178 wieder zu Hause und immer noch bleibt das Gefühl, dass die Zeit rast und gleichzeitig nicht vorbeigehen will.
Manche Dinge sind Alltag geworden und manche werden es wohl nie. Manche Dinge sehe ich gelassener, manche Dinge bringen mich mehr zum Nachdenken als zu Beginn. Mein Spanisch ist besser, meine deutsche Rechtschreibung schlechter. Dennoch täglich ein Bericht wie auch heute. :)

Semesterbeginn bei Cede. Während Willy und Erick einen Stundenplan mit ihren Schülern haben, habe ich nur die Aussage von Rommel: "ja, Sarita und den Rest, den machen wird". Sprich meine Aufgaben, die meistens mit "Sarita, kannst du bitte..." anfangen und mit wirklich allem möglichen Enden können, bleiben gleich :) So wird es auch nach 6 Monaten nicht langweilig :)
Nach einem kleinen Schläfchen auf meinem neuen Sarita-Büro-Stuhl, Mittagspause im Internetcafé, da Mittagspausenskypen genauso zum Ablauf gehört wie tägliches Blog schreiben und Oma-Mittagessen am Dienstag.
Neue Spielidee mit den Chiquitos, musikalische Früherziehung spielen. Einzige Veränderung sie sind die Lehrer und ich bin die Schülerin. Wunderbar von den Kleinen Niña genannt zu werden und angewiesen werde das Xylophon-Lied zu spielen. Mit kleiner Unterstützung spielen sie es mir auch richtig vor, damit ich es "nachmachen" kann. :)
Nach Vorbereitungen für den Chor morgen, Einkaufen, einsamen Kochen und Abendessen mit Spinatnudeln, kommt meine Familie nach Hause. Und mit Familie meine ich, alle. Fast alle. Mein Gastbruder samt Freundin, meine Gasteltern, Michelle, Oma, Onkels, Cousins, die alle zuschauen wie mein Gastbruder Berge an Kleidung aus den riesigen New York Koffern birgt. Und schon geht es los, welches Teil Michelle will, welches Teil meine Gastmama, was verkauft wird und wo, an wen und für wie viel. Mein Gastpapa still neben mir auf dem Sofa, glücklich mit seinen neuen Turnschuhen und einem flauschigem Hemd. Bis fast 10 Uhr wird sortiert, probiert und zusammengelegt. Unser Wohnzimmer gleicht nun einer Mischung aus Aeropostale, FootLocker und Hollister. Fehlen nur die heißen Boys an der Tür, die einen mit "hey guys, welcome to the pier" anlocken wollen :) Vielleicht steht ja morgen beim Frühstück einer da und bringt mir mein Müsli und meinen O-Saft. :)

Sonntag, 3. März 2013

Tag 178

Lange war ich zu Hause nicht so nahe wie heute Abend. Empfangshalle des neuen Flughafens in Quito.

Die geplante Abfahrt von 9 auf 10 verschoben, zum Frühstück gebackene Bananen und Avena - heiße Milch mit Haferflocken, etwas wie Grieß, Zimt und Anis.
Erster Stop nach 1 1/2 Stunden an einem Straßenstand mit Fritada - Fleisch aus einem riesigen Fleischtopf, Zwiebel-Tomaten-Salat, Mote und Maiskolben.
2. Stop nach weiteren 2 Stunden mit Gastfamilie, Cousin, Oma, Onkel mit Frau und unangeschnalltem Baby -Cousin im Kleinbus des anderen Onkels bei einem Shoppingcenter, was sehr an zu Hause erinnert.
Besuch bei PizzaHut nach über 5 Monaten. Im Anschluss Ausflug zum Vergnügungspark am Fuß des Pichinchas. Während Michelle und Andy schreiend in der Achterbahn sitzen, sitze ich mit Oma auf der Bank in der Sonne und renne alle paar Minuten meinen 2-jährigen Cousin hinterher. :) Gegen Abend dann das eigentlich Ziel, der Flughafen. 1 1/2 Stunden Fahrt, neue Straße, gute Beschilderung, wer hätte es gedacht und Schaulustige an der Landebahn. Mit Verspätung und ziemlich viel Gepäck taucht mein Gastbruder dann doch irgendwann auf :) Auto voll mit nun 11 Leuten, 3 Koffern, einer Reisetasche und einen gewonnenen riesigem Ball aus dem Vergnügungspark :) Inzwischen 11 Uhr, Abendessen bei KFC. KFC hier auch Hühnchen, aber auf ecuadorianisch sprich mit Reis, Menestra und Bananen :) Nach dem 11 Personen satt sind, Ziemlich viel Müll produziert wurde und alle wieder im Auto sitzen nächster Stop: Wohnung meines Gastbruders in Quito, da der Gute Montag Uni hat. Um 12 Uhr also Rückweg nach Ambato mit Ankunft um 2 Uhr. Mein Camita calientita (warmes Bettchen) heiß ersehnt. :)
Netter Familienausflugstag, den ich eindeutig gebraucht habe. Dennoch bleibt die Frage anpassen oder ich-selbst-bleiben und für welchen Preis.

Samstag, 2. März 2013

Tag 177


Die Woche geht weiter, tröstende Worte und Gespräche zwischen staubigen Kisten und sperrigen Regalen.

Auch am Samstag klingelt mein Wecker gleich wie von montags bis freitags und auch bei Santa, der Paketstation, ist ein ganz normaler Arbeitstag und der langersehnte Umschlag für Rommel ist da. Zum Abholen wurde ich mal wieder als Ehefrau abgestempelt und habe heute klargestellt, dass ich die Nichte bin. :)
Bei Cede volles Haus und jeder am Vorbereiten des Semesterbeginns am Montag. Das Internet dementsprechend langsam und meine Aufgabe, die neuen Stundenpläne und Bewertungslisten auf die Schülerseiten zu laden gestaltet sich als langwierig.
Mittagessen bei Oma mit meinem Gastopa und im Anschluss weiter Stundenpläne erstellen. Schon mit 19 Schülern kompliziert genug.
Im Hinterkopf immer noch das Gespräch mit meiner Gastmutter gestern Abend und der Zwiespalt zwischen anpassen und akzeptieren, aber auch seinen eigenen Wertem treu bleibe und seine Freiheit und Persönlichkeit behalten wollen. Ein schmaler Grad. Papas Stimme und Worte sind jedenfalls tröstend sowie Claras Anruf und Gespräche mit Rommel beim Umräumen unseres Büros. Im Büro ist nun mehr Platz, ein überladenes Regal weniger, zwischendurch das typische Rommel-räumt-auf-und-hat-dabei-tausend-Ideen-Chaos und eine Umräumaktion des Schreibtischs beladen mit vollen Teetassen, Laptops, Drucker und Papierbergen. :) Immerhin besitze ich nun einen eigenen Schreibtisch und einen Stuhl auf dem mein Name steht, denn Rommel räumt grundsätzlich beim Aufräumen meinen Stuhl weg, weshalb ich nun Sarita darauf gemalt habe, in der Hoffnung, dass er nicht immer vergisst, dass ich auch irgendwo sitzen muss :) Bis auf das Telefon, an welches ich eh nie rangehe, ist mein Schreibtisch eher leer. Zumindest war er das als ich um 7 Uhr gegangen bin. Ich vermute, dass er innerhalb von wenigen Minuten als neue Ablagefläche oder Cafeteria umfunktioniert wurde ;)
Im Anschluss kleiner Besuch bei meiner Lieblingsbäckerei, ein weiteres Gespräch über meine Gastfamilie, ein bisschen Milchreis zum Abendessen und fehlendes Internet, um meinen Blog für heute direkt zu posten.

Freitag, 1. März 2013

Tag 176

Anspannung die abfällt.

Mein Morgen dank Rommel wie immer abwechslungsreich mit Paket verschicken, Aufgaben die ich gerade anfangen will und dann doch aber vorher lieber etwas anderes machen soll. Zu meiner Mittagspause war also dann die Geige auf dem Weg nach Loja, das neue Schlagzeug aufgebaut, die Rechnungen und die gelieferten Teile überprüft und der Raum gewischt und bestuhlt für den "Elternabend" mittags um 3 Uhr.
Mittagspause mit einem kleinen Oli-Skypen und schnellem Reste-Lasagne-Sauce-Essen zu Hause. Chiquitos heute wieder mit mir alleine und ich bin immer wieder beeindruckt wie 4 Kinder klingen können wie hundert. Beliebtestes Spiel heute: Ich falle schreiend vom Stuhl. Fängt einer an finden alle anderen es große Klasse.
Untertitel unter die Dokumentation für Cedemusica zu setzen lief dagegen etwas ruhiger ab. Clara und ich denkend vor dem Computer, Willy gelangweilt, weil er nichts versteht. Nach 3 Stunden alles übersetzt, hungrig und k.o. Lasagne und Patacones mit Clara. Reis dauerte für uns zu lange und bei ausgehungerten Saritas und Claritas kippt schnell die Stimmung, deshalb war dafür keine Zeit ;)
Im Anschluss Weg mit Lasagneschüssel, Reis und Patacones nach oben zu Cedemusica, um den immer noch Arbeitenden (Evi, Rommel und Willy) Abendessen zu bringen. Das Austauschen über den Tag und Gott und die Welt fühlt sich an wie Familien-Abendessen und nach meinem Cafecito stehe ich um 11 zu Hause vor verschlossener Tür. Mein Schlüssel lässt sich weder nach recht noch nach links bewegen, da von innen der Schlüssel steckt und ich muss Michelle bitten mir die Tür aufzumachen.
Im Zimmer meiner Gastschwester, meine Gastmama nicht erfreut über meine späte Rückkehr. Schon die letzten Tage habe ich gemerkt, dass es in meiner Gastfamilie nicht mehr so ist wie am Anfang, dass etwas passiert ist und keiner wirklich mit mir redet.
Ich habe mir ein Herz gefasst und mit meiner Gastmama geredet. Richtig und dringend notwendig, denn wie so oft sind es viele kleine Dinge, die irgendwann zusammenkommen.
Für mich war wichtig mich zu entschuldigen und klarzustellen, dass ich die Regeln die eben herrschen akzeptiere und berücksichtige. Doch das Empfinden was ist spät und was ist nicht spät wurde nun genauer definiert. Bisher dachte ich es sei in Ordnung bescheid zu geben wo ich bin, mit wem und anschließend ein Taxi zu nehmen oder mich nach Hause begleiten zu lassen. 11 Uhr abends ist jedoch hier etwas anderes als zu Hause. Auch mit Taxi oder Begleitung. Ich akzeptiere es und weiß meine Freiheiten zu Hause zu schätzen.